Lesung „Machtgebiete“

Die Autorin Christina Sontheim-Leven mit dem von ihrer Schulklasse verfassten Märchenbuch aus ihrer Grundschulzeit.
Die Autorin Christina Sontheim-Leven mit dem von ihrer Schulklasse verfassten Märchenbuch aus ihrer Grundschulzeit.

Change the system – not the women: Gelungene Veranstaltung des Kulturkreises Emmertsgrund-Boxberg e.V.

Als echtes Heimspiel bezeichnete Christina Sontheim-Leven ihre Lesung zu dem von ihr mit verfassten, viel beachteten und sehr erfolgreichen Buchs „Machtgebiete – was Managerinnen erleben und wie sie gegenhalten“ am Abend des 5. Juni im Treff 22 in der Emmertsgrundpassage.

Ansgar Hofmann, Vorsitzender des Kulturkreises Emmertsgrund-Boxberg e.V., begrüßte die Vortragende sowie die zahlreiche Zuhörerschaft und führte in den Abend ein.

Die Autorin, geborene Emmertsgrunderin, freute sich über zahlreiche interessierte Gäste, die zu dieser im Vorfeld bereits durch EmBox und Rhein-Neckar-Zeitung beworbenen Veranstaltung gekommen waren, nicht wenigen ist Christina Sontheim-Leven aus deren Kindheit und Jugend, ihrer Zeit an der Grundschule Emmertsgrund als Freundin, Nachbarin, Schulkameradin bekannt. Heute ist sie eine überaus erfolgreiche Karrierementorin und anerkannte Multiplikatorin für Female Empowerment, Ex-SDAX Vorständin, Aufsichtsrätin, – und, nicht weniger wichtig – Mutter von zwei Kindern.

Prägende Kindheit im Emmertsgrund

Ein sehr lebendiger Abend nahm seinen Verlauf. Gleich zu Beginn verwies Sontheim-Leven auf ihre Kindheit, das Glück auf dem Emmertsgrund groß geworden zu sein – der international geprägte Stadtteil ermöglichte ihr eine ganz besondere Sicht auf die Dinge des Lebens, ein echter Vorsprung wie sie betonte. Und die allererste Mitarbeit an einer Buchveröffentlichung lag in ihrer Grundschulzeit: das liebevoll gestaltete Buch mit dem Titel „Es war einmal“, ein Projekt der gesamten Schulklasse und ihrer ehemaligen Grundschullehrerin Erna Tünay. 

Die Entstehung von „Machtgebiete“

Übergehend von dieser humorvollen Einführung berichtete Christina Sontheim-Leven über die Entstehung der „Machtgebiete“, es sollte kein „Jammerbuch“ werden. Vielmehr sollte das Buch Räume öffnen, Transparenz herstellen hinsichtlich der noch immer gravierenden Unterpräsenz von Frau in Führungspositionen. Ein Beispiel: gerade einmal 3 Frauen führen DAX-Unternehmen, ihnen stehen 40 Männer in dieser Position gegenüber. Verkrustete Strukturen aufzubrechen erfordert die sogenannte Quote, von vielen kritisiert, jedoch notwendiger denn je.

Die im Buch thematisierten Situationen, denen typischerweise Frauen ausgesetzt sind, nämlich verbale Anzüglichkeiten, teils subtil, teils offen formuliert, abwertende oder verletzende Bemerkungen über Äußerlichkeiten, deren Auswirkungen auf die Betroffenen, all dies brachte Christina Sontheim-Leven den Zuhörern und Zuhörerinnen nahe. Und betonte, dass nicht ausschließlich Männer dieses Verhalten zeigen, sondern auch häufig Frauen gegenüber anderen Frauen zu „Fiesigkeiten“ neigen.

Empfehlungen für Veränderungen

Keine Angst sondern Mut zeigen, laut sein, sich als Frau etwas zutrauen, nicht der Zukunft und ihren Techniken verschließen, nicht in Gewohnheiten oder Bequemlichkeit verbleiben, diese Aufforderung richtete sie an das Publikum. Nur so lässt sich Gleichstellung bewerkstelligen. Diese übrigens, merkte Christina Sontheim-Leven an, kann bei jetzigen Tempo rein rechnerisch in (nur) 131 Jahren vollständig erreicht werden.

Dass ihre kleine Tochter in ihrem Erwachsenenleben nicht mehr um Gleichstellung kämpfen muss, sondern diese dann selbstverständlich und vollständig hergestellt ist, mit diesem Wunsch beschloss Christina Sontheim-Leven ihre überaus gelungene Lesung. Das Publikum würdigte den mitreißenden Abend mit großem Applaus und sehr positivem Feedback.

Anschließend an die Lesung entspann sich eine sehr angeregte Publikumsdiskussion, eigene Lebenserfahrungen, die sich mit denen der im Buch beschriebenen Situationen teils frappierend glichen, andererseits Bestätigungen, wie sehr sich Teams beiderlei Geschlechts in der Arbeitswelt bewähren, all dies wurde angesprochen. Thematisiert wurde jedoch auch die Gefahr eines Rückschritts in der Gleichstellung, ausgelöst durch einen aktuellen Trend gerade bei jungen Frauen, sogenannten „Tradwifes“, die sich von progressiven Gleichstellungszielen distanzieren und nach traditionellen Rollenbildern streben. Glücklicherweise ist in der Bevölkerung grundsätzlich das Bewusstsein für Chancengleichheit größer denn je, so dass sich die Gleichstellung von Frauen sicher weiter positiv entwickeln wird.

Text: Andrea Schliwa
Fotos: Karin Weinmann-Abel

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