Frohsinn und prickelnde Gefühle
Musiktherapeut tritt als „Liederkellner“ beim Emmertsgrunder Kultursommer auf
Der 15. Juli ist ein wunderbarer warmer Sommerabend, wie geschaffen für den Kultursommer des Emmertsgrundes. Dazu passen ein kühles Weizenbier, eingängige Musik und nette Nachbarn. Der Kultursommer hatte eingeladen zu einem unterhaltsamen Abendprogramm mit Charly Hanenberg, dem „Liederkellner“. So nennt er sich mit seinem „süffigen“ Angebot an bekannten Schlagern und Chansons, die er auf Zuruf singt und mit seiner Gitarre begleitet. Den Auftakt lieferte er nach eigener Bestellung mit einer Art Eigenkomposition eines Medley seines Lieblingsinterpreten Reinhard Mey, ergänzt durch eigene Texte. Den Zuhörern gefiel’s, und sie suchten derweil auf der von ihm selbst ausgelegten „GetränkeKarte“ nach Favoriten unter den angebotenen Liedern.
Zum dritten Mal Gast
Charly Hanenberg ist schon zum dritten Mal Gast bei uns auf dem Berg. Er ist als Musiktherapeut im PZN Wiesloch tätig. Vor vielen Jahren kam er einst als Zivildienstleistender nach Heidelberg und stellte dabei fest, dass er hier ein Studium der Musiktherapie beginnen konnte, das er dann mit Auftritten finanzierte, und so blieb er in der Kurpfalz. Die kleine Bühne am Forum ist nicht unbedingt sein Lieblingsplatz, lieber schlendere er durch die Reihen der Besucherinnen und Besucher und holt sich seine „Bestellungen“ ab.
Gelegentlich flattern seine mit einer Klammer festgeklemmte Textblätter im Wind, dann erklärt er leicht kokettierend, dass er mit dem Tablet nicht klarkommt, das unterstreicht ein wenig seine old-fashioned Einstellung passend zu seinen Liedern.
Viele „Evergreens“
Die werden ihm hier zugerufen, und er arbeitet sie gekonnt ab. Beginnend mit Jaques Brell singt er „Amsterdam“, wirklich so eindrucksvoll, dass man meint, den Rauch der unvermeidlichen Zigarette Brells zu sehen. Hildegard Knef lässt Rosen regnen und Udo Jürgens serviert griechischen Wein, Frank Sinatra seinen “my way“. Viele andere altbekannte Melodien umschmeicheln die Ohren der Zuhörer. Sie erzeugen Gänsehaut oder gehen unter die Haut! Nach einer vom Veranstalter gewünschten Pause mit Würstchen und frischen Getränken tauchen die Schlagerfans wieder ein in die liebgewordenen Schlager der letzten Jahrzehnte. Der Wunsch des Sängers, man möge doch schwungvoll mitsingen, hatte weniger Erfolg und verklingt schon nach einigen schüchternen Ansätzen in andächtigem Schweigen. Dennoch bleibt das Gefühl, mit viel Erinnerung und ein wenig Sentimentalität einen schönen Abend erlebt zu haben.
Text: Peter Becker
Foto: Dmytro Sakhno




