Science-Fiction-Epos „Aniara“

Laura Fortuna Barton, Joachim Coch und Mika Barton auf dem Weg in Richtung Leier
Laura Fortuna Barton, Joachim Coch und Mika Barton auf dem Weg in Richtung Leier

Ein Werk, das den Tautropfen einfängt und das Weltall spiegelt.

1956 schrieb Harry Martinson in Schweden das Science-Fiction-Epos „Aniara“ mit seinen 103 Versen. Aniara, was übersetzt ‚ohne Nickel und Argon‘ bedeutet, also ohne Verbindung zur Erde und zur Luft, ist der Name eines Raumschiffs, das 8.000 Menschen mit all ihren Hoffnungen, Erinnerungen und Träumen von der verseuchten Erde zum Mars bringen soll. Aber bereits kurz nach dem Start havariert das Schiff, wobei die Lenkung zerstört wird. Von da an fliegt Aniara steuerungsunfähig in Richtung des Sternbilds Leier.

Die Menschen an Bord, die zuvor schon ihre Hoffnung auf eine Zukunft auf der Erde aufgeben mussten, beginnen zu verstehen, dass sie niemals ihr Ziel, den rettenden Mars erreichen werden. Sie sind zwar am Leben und haben an Bord des Raumschiffs alles, was sie brauchen. Sie erleben aber auch die Zerstörung der Erde mit, die sie ohne Hoffnung auf Rettung in der Dunkelheit des Weltalls zurücklässt.

Seinerzeit sogar als Oper aufgeführt, ist „Aniara“ heute in Deutschland nahezu unbekannt. Harry Martinson ebenso, auch wenn er für dieses Werk den Literaturnobelpreis erhielt. Ein Grund mehr, die Geschichte wieder herauszuholen und vorzutragen, due heute aktueller denn je ist. Und so luden Mika Barton und seine musikalische Reisebegleitung am 24. April 2026 in den Blickpunkt Boxberg. Auf gut zwei Stunden komprimiert konnte das Publikum die Reise des Raumschiffs Aniara miterleben.

Singer-Songwriter Joachim Coch (Gitarre und Gesang) und Laura Fortuna Barton (Gesang) webten einen Klangteppich aus emotional und thematisch passenden Liedern mit eindrücklichem Gesang, auf dem Mika Barton mit gut 30 ausgewählten Versen die Geschichte vorantrieb.

Martinson, ursprünglich Naturlyriker und Autor von Reiseberichten, wandelte sich unter den Eindrücken des Zweiten Weltkriegs und der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zu einem Warnenden vor dem Ende der Menschheit und der Zerstörung der Erde durch den Menschen selbst. In einem der Verse lässt er Gott und Teufel aus Angst vor dem Aschekönig Mensch Hand in Hand fliehen. Mit dem 103. Vers, nach mehr als 24 Jahren Reise durch das All, beendet der Erzähler die Geschichte mit den Worten:

„Und fünfzehntausend Jahre lang, der Leier zu,
zog der Goldonder ohne Aufenthalt,
gebettet Menschen, Dinge drin zur letzten Ruh,
verdorrte Pflanzen auch aus Doris’ Wald.“

Nach dem Schlussapplaus brauchte es erst eins, dann noch ein zweites fröhliches Lied aus dem Repertoire von Joachim Coch, damit die Gespräche im Nachgang wieder in positivere Fahrwasser kamen. Für alle Anwesenden war es eine ergreifende Geschichte einer vielleicht nicht mehr allzu fernen Zukunft. Heute aber, so waren sich am Ende alle einig, sei es noch nicht so weit. Ein Grund mehr, dieses Leben auf der Erde, diesem kleinen, blassen blauen Punkt mitten im Universum zu feiern.

Text und Fotos: Mika Barton

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