Wenn der Boxberg am Meer liegt

Gemeinsam mit den jungen Erbauern freuten sich Konrektor Mathias Peitz, Pfarrerin Carmen Sanftleben als Hausherrin, Jugendzentrumsleiter Ingo Smolka, Bürgermeisterin Stefanie Jansen und Rektor Thilo Engelhardt (v.l.) über den zwar nur sehr kurze Zeit existierenden, dafür aber von allen Seiten hochgelobten „Lego City“-Traumstadtteil
Gemeinsam mit den jungen Erbauern freuten sich Konrektor Mathias Peitz, Pfarrerin Carmen Sanftleben als Hausherrin, Jugendzentrumsleiter Ingo Smolka, Bürgermeisterin Stefanie Jansen und Rektor Thilo Engelhardt (v.l.) über den zwar nur sehr kurze Zeit existierenden, dafür aber von allen Seiten hochgelobten „Lego City“-Traumstadtteil

Im Gemeindezentrum der Lukasgemeinde ließen Schülerinnen und Schüler der Waldparkschule ihren „Lego-City“-Traumstadtteil entstehen – Hierfür gab es Lob von allen Seiten

Von Werner Popanda

Boxberg. Wie sieht für Kinder ein Traumstadtteil aus, was muss dieser haben, damit sich hier lebende Kinder wohl und vor allem auch sicher fühlen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich jüngst 28 Zweit- und Fünftklässler der Waldparkschule. Allerdings geschah dies keineswegs nur in der blanken Theorie. Sondern auch auf sehr praktische Art und Weise.

Die Buben und Mädchen ließen nämlich aus Abertausenden vom Christlichen Verein junger Männer in Esslingen zur Verfügung gestellten Lego-Steinen einen Stadtteil entstehen, wie er ihnen im Traum vorschwebt. Entstanden ist diese „Lego-City“ in, wie unisono berichtet wurde, drei extrem arbeitsintensiven Tagen im Gemeindezentrum der Lukasgemeinde.

Bei der allerbestens besuchten Präsentation, zu der sich auch Bürgermeisterin Stefanie Jansen, die Boxberger Stadtteilvereinsvorsitzende Renate Deutschmann, der Leiter der Waldparkschule Thilo Engelhardt, dessen Stellvertreter Mathias Peitz und der Leiter des Jugendzentrums Holzwurm Ingo Smolka einfanden, gingen die „Lego-City“-Erbauer ins Baudetail.

So begründeten zwei Mädchen, dass sie deshalb eine Schule mit drei Klassenräumen, einem Lehrerzimmer, einem Rektorat und einem Pausenhof errichtet hätten, weil „Schule sehr wichtig ist“. Die drei für ein Hotel zuständigen Buben wiesen wiederum darauf hin, dass „wir es einfach brauchen“. Und ja, in dem Traumstadtteil gibt es gleich zwei Polizeistationen.

„Wir fühlen uns so sicherer“, brachte ein Schüler den Anlass hierzu auf den Punkt. Auf Nachfrage von Ingo Smolka, ob er sich denn auf dem Boxberg tatsächlich unsicher fühle, war folgende Antwort zu vernehmen: „Manchmal!“ Die beiden Mädchen, die die zweite Polizeistation gebaut hatten, plädierten auch noch vehement für einen Flughafen, weil eine Stadt einen solchen nun einmal brauche.

Besonders freute sich Ingo Smolka über den gleichfalls errichteten Supermarkt, denn schließlich sei die Einkaufssituation vor Ort nicht so gut. Darüber hinaus entstanden ein Krankenhaus mit Helikopterparkplatz, ein Zoo, ein Freizeitpark und eine Kirche. Bei allen Objekten betonten die Erschaffer, dass diese in ihren Augen schlicht und ergreifend wichtig seien.

Den Bau einer Moschee im Wasser erklärte eine Schülerin damit, dass es auch „in der Türkei tatsächlich eine Moschee im Wasser gibt“. Hingegen am Wasser entstand ein Strandhaus, und zwar deshalb, so eine andere Schülerin, „weil wir es schön und cool fanden, wenn es ein Haus am Meer gibt“. Erbaut wurde der Strand samt Hafen von einem Schüler.

Aufgefallen war Stefanie Jansen, die das viele Grün, die Buntheit und die vielen „Wohlfühlorte“ der „Lego-City“ geradezu überschwänglich lobte, dass der Kindertraumstadtteil weder ein Café noch ein Restaurant aufweist. Ein Mädchen ließ sie umgehend wissen, warum dem so ist: „Kaffee schmeckt eklig und man braucht keinen Kaffee!“

Lob in Hülle und Fülle parat hatte auch der Architekt Till Schweizer. Und zwar zum einen für den „radikal unterschätzten“ Stadtteil Boxberg, der viel besser sei als sein Ruf und in dem im Grunde nur „Einkaufsmöglichkeiten und Anbindung“ fehlten. Und zum anderen für die „Lego-City“, die aus „unglaublich ordentlich in sich gebauten Häusern“ bestehe.

Thilo Engelhardt wollte nicht unerwähnt lassen, dass das Spielen mit Lego letztendlich einem hervorragenden Mathematikunterricht gleiche. Sein spezieller Dank ging an das Lehrerteam mit Christina Steinbrenner an der Spitze, das das Projekt koordiniert und organisiert habe. Letztgenannte zog das Fazit, dass in einem interessanten Prozess erstaunliche Dinge entstanden seien.

Ein allzu langes Dasein war besagten Dingen freilich nicht vergönnt. Denn kaum war die Präsentation offiziell beendet, war diese Aufforderung zu vernehmen: „Die Steine müssen zurück nach Esslingen, wir fangen sofort mit dem Abbau an!“ Und tatsächlich machten sich Groß und Klein sofort an die Arbeit und Stein für Stein wanderte zurück in die vielen Aufbewahrungskisten.

In der „Lego-City“ der Boxberger Waldparkschülerinnen und -Schüler war die Moschee im Wasser ein echter Hingucker
In der „Lego-City“ der Boxberger Waldparkschülerinnen und -schüler war die Moschee im Wasser ein echter Hingucker

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