„Dann gehen Sie doch in den Emmertsgrund!“

Dieser Ausruf eines Maklers war nicht ernst, sondern eher höhnisch gemeint. Doch eine der Teilnehmerinnen beim 1. Nachbarschaftsgespräch Emmertsgrund ließ sich vor etwa 14 Jahren nicht aus dem Konzept bringen. Schon aus Unzufriedenheit mit ihrem Makler, der ihr den Emmertsgrund „empfahl“, fuhr sie mit dem Auto umgehend in den Emmertsgrund. Zuvor hatte sie den Stadtteil kaum wahrgenommen. Aber an diesem Nachmittag war sie auf den ersten Blick positiv überrascht.

Warum eigentlich nicht der Emmertsgrund als neues Wohndomizil? Mit etwas Glück fand sie eine gute Wohnung, später einen Ehepartner aus dem Emmertsgrund. Seitdem gehört das Paar zu den zufriedenen Emmertsgrund-Bewohnerinnen.

Auch die beiden Frauen aus Marokko und Algerien, die am 21. Oktober beim ersten Emmertsgrunder Nachbarschaftsgespräch teilgenommen haben, sind überaus zufrieden mit ihrem Wohnort. Eine von ihnen wohnt auf dem Boxberg. Zwar verstehen sie nicht alles, was Moderator Jörg Kraus vom Verein Palatina zu den Teilnehmer:innen sagt. Doch, kein Problem: Raja El Dor, Vereinsmitglied beim HeidelBERG-Café, kann dolmetschen. So sind auch für die beiden Frauen aus Nordafrika erste Nachbarschaftsbeziehungen möglich. Sie sind von dem Abend so begeistert, dass sie gleich in der folgenden Woche wiederkommen möchten.

In Zeiten der Multikrisen, digitaler Verführungen, sterbender Kneipen und der Überalterung von Vereinen ist es für manch einen schwierig, in der Gesellschaft Kontakt zu halten oder Kontakte wieder aufzunehmen. Wenn dann noch persönliche Umstände wie der Verlust eines Partners hinzukommen, dann tragen oft die vertrauten Netzwerke nicht mehr.

Manchmal helfen in solchen Situationen einfache Gespräche, um wieder auf die Beine zu kommen und neuen Mut zu schöpfen. So hat das HeidelBERG-Café zusammen mit dem Verein Palatina e.V. vereinbart, solche Nachbarschaftsgespräche zu beginnen.

Wie lange lebt ihr schon im Emmertsgrund? Wie viele Nachbarinnen und Nachbarn kennt ihr? Und über das Grüßen hinaus? Mit kleinen Fragespielen macht Co-Moderator Robert Braun mit einem einfachen Seil auf dem Boden klar, wie stark das Nachbarschaftsverhältnis im Emmertsgrund ausgeprägt ist. „Wer schon länger als 20 Jahre im Emmertsgrund lebt, stellt sich bitte ganz ans Ende des Seils“, forderte Robert die Teilnehmenden auf.

Annette Haring vom Seniorenzentrum hatte ihre Gitarre schon vor Beginn der Gespräche ausgepackt und für einen angenehmen musikalischen Teppich gesorgt, den die Nachbarinnen und Nachbarn nach und nach gerne betreten. Nach Interviews und der ersten Fragerunde stimmte sie mit den übrigen Nachbarinnen und Nachbarn leichte Herbstlieder an.

Das Publikum an diesem Abend ist gemischt. Manche sind erst wenige Monate Bewohner des Stadtteils – manche schon ihr halbes Leben. Junge und Ältere sind mit dabei, Akademiker und Arbeiter. Eine gute Mischung aus erwartungsfreudigen Nachbarinnen und Nachbarn.

Mit weiteren Fragekarten aus drei Kartenstapeln beschäftigten sich dann zwei Großgruppen – und kommen über diese Fragen miteinander ins Gespräch. Was macht einen Wir-Sinn aus? Wie können wir im Emmertsgrund noch mehr Wir-Sinn herstellen? Und wie können wir mit dem „Wir-sing“ den „Wir-Sinn“ ausbauen?

Der Abend kam bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern überaus gut an. Zum Schluss ging es – vor dem großen Pizza-Essen – nur noch um die Frage: Wann treffen wir uns wieder? Ein Termin war schnell gefunden, sogar noch einer, der kurz vor Weihnachten liegt. Am 16. Dezember gibt es das 2. Nachbarschaftsgespräch. Die Pfarrerin Carmen Sanftleben und Peter Hammacher haben ihr Kommen bereits zugesagt.

Mit dem Seniorenzentrum, der Lukasgemeinde, dem Augustinum und dem HeidelBERG-Café gibt es mit der Idee des Wirsings nun eine Achse, die das Nachbarschaftsgefühl in den Bergstadtteilen aufleben lassen möchte. Schon bald soll es noch mehr lebendige Adern geben, die das Leben auf den Bergen noch nachbarschaftlicher machen.

So sind weitere Nachbarinnen und Nachbarn aus dem Emmertsgrund und benachbarten Stadtteilen immer herzlich willkommen. Anmelden kann man sich unter der Mail-Adresse „heidelbergcafe@emmertsgrund.org“ oder der Telefonnummer 01514 / 455 23 51.

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