Konzert mit den „Zigeunerliedern“ von Brahms im Augustinum

Heidelberger Motettenchor. Am Klavier: Kyeyoung Lim. Leitung: Hans Jochen Braunstein
Heidelberger Motettenchor. Am Klavier: Kyeyoung Lim. Leitung: Hans Jochen Braunstein

„Kommt dir manchmal in den Sinn“: Chorkonzert und kritische Einordnung

Auf dem Programm am 2. Juli 2026 standen anspruchsvolle Werke von Brahms, Lauridsen, Fauré und Distler. Mit dem Hauptwerk, den „Zigeunerliedern“ von Johannes Brahms, setzte sich der Chor im Vorfeld bewusst und kritisch auseinander. Während Kunst und Literatur oft eine stereotype Sehnsucht nach Freiheit und Leidenschaft der „Zigeuner“ feierten, war die historische Realität der Sinti und Roma von Diskriminierung, Ausgrenzung, Verfolgung und Völkermord geprägt. Der heute als diskriminierend einzuordnende Titel wurde in der Ankündigung und im Programmheft entsprechend kommentiert. Als Konzerttitel wählten wir nicht den Titel des ersten Liedes („He, Zigeuner, greife in die Saiten“), sondern den nachdenklicheren Titel des siebten Liedes: „Kommt dir manchmal in den Sinn“.

Konzert des Heidelberger Motettenchors
am Klavier: Kyeyoung Lim
Leitung: Hans Jochen Braunstein

„Zigeunerlieder“ op. 103

Im Zentrum dieses Konzertes stehen die „Zigeunerlieder“ op. 103 von Johannes Brahms – der Titel dieses Werkes erfordert eine bewusste und aktuelle Einordnung: Mit dem heute als diskriminierend einzuordnenden Begriff der „Zigeuner“ verband man am Ende des 19. Jahrhunderts eine weit verbreitete Faszination und Sehnsucht des Bürgertums nach Freiheit, Leidenschaft und Natur. Aufgrund einer enthusiastischen, nationalen Strömung wurde „Zigeunermusik“ oft fälschlich mit ungarischer Volksmusik gleichgesetzt. Aus Respekt vor den Lebensrealitäten der Sinti und Roma ist eine deutliche Distanzierung von diesen stereotypischen Klischees angebracht. Gleichzeitig darf sich das Publikum weiterhin von der Leidenschaft dieser Musik mitreißen lassen. Dazu lädt der Heidelberger Motettenchor ein.

A-cappella-Werke

Neben Brahms‘ „Zigeunerliedern“ stehen A-cappella-Werke von Hugo Distler (1908 – 1942) und Morten Johannes Lauridsen (geb. 1943) auf dem Konzertprogramm.

Der Heidelberger Motettenchor ist seit 1985 ein fester Bestandteil des Heidelberger Musiklebens und machte sich zunächst als großer Oratorienchor einen Namen. 1998 übernahm Hans Jochen Braunstein den Chor und formte daraus einen Kammerchor mit einem historisch und stilistisch diversifizierten Repertoire. Die hohe Qualität des Heidelberger Motettenchors wurde mehrfach von der Presse bescheinigt. So schrieb beispielsweise die Rhein-Neckar-Zeitung: „Braunstein liebt hochanspruchsvolle Chorwerke, an die sich kaum ein Amateurchor heranwagt. Mit dem Heidelberger Motettenchor hat er eine Formation beisammen, die solche Raritäten trefflich singen kann.“

Genießen und feiern durfte und darf man diese Musik aber dennoch – so taten es etwa 100 Konzertbesucher/innen. Der nächste Konzerttermin für 2027 steht schon fest – und das Plakatmotiv ebenfalls! Noch nicht fest ist das Programm, geplant ist der Zyklus „From the Bavarian Highlands“ von Edward Elgar.

Text und Fotos: Max Hilker

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