Vortrag Heisenberg und Goethe

Ernst Peter Fischer erhielt ein Kissen zum Dank für seinen Vortrag.
Ernst Peter Fischer erhielt ein Kissen zum Dank für seinen Vortrag.

Ernst Peter Fischer: Werner Heisenberg (1901‒1976) und der große Goethe

Vortrag im HeidelBERG-Café am 10. März 2026

„Sternstunden der Menschheit“ ist ein Titel von Stefan Zweig. Darunter verstand der Autor historische Ereignisse, die den Lauf der Geschichte entscheidend verändert haben. Eine solche historische Sternstunde fällt in den Mai 1925. Ein 25-jähriges wissenschaftliches Nachwuchstalent hat sich auf die Insel Helgoland zurückgezogen, um einen hartnäckigen Heuschnupfen auszukurieren. Hier gelang dem Physiker Werner Heisenberg der Durchbruch in der theoretischen Begründung der Quantenmechanik. Die moderne Physik ist ohne sie nicht denkbar.

Was könnte nun Goethe damit zu tun haben? Das führte Ernst Peter Fischer auf Einladung der Heidelberger Goethe-Gesellschaft in einem so lehrreichen wie kurzweiligen Vortrag aus, der im HeidelBERG-Café gehalten wurde. Fischer stellte Goethe als einen alt gewordenen Autor vor, der etwas Wesentliches mitteilen möchte, sich aber bewusst ist, vom Publikum nicht mehr verstanden zu werden. Wenn der Verstand nicht ausreiche, Realität zu erklären, müsse es auf eine poetische Weise geschehen. Das verbinde Goethe mit der Romantik, als deren Gegner er gilt: die Welt beschreiben, wie sie hinter den sichtbaren Dingen sei. Das tue auch die Theorie der Quantenmechanik.

Fischers Beschäftigung mit diesen Themen zieht sich wie ein roter Faden durch seine Biographie. 1965 konnte er als Abiturient in Salzburg für 10 DM Karten für eine Aufführung von Faust I und II mit Will Quadflieg erwerben. Vier Jahre später veröffentlichte Heisenberg seine Autobiografie, die Fischer tief beeindruckte. 1987 führte der Bildungsweg des studierten Physikers zur Habilitation in Wissenschaftsgeschichte. Eines seiner 86 Bücher trägt den Titel: „Das Weltbild der Physik“. Ihm zuzuhören, wie er in einem entspannten Plauderton eine Menge an Fakten und Textkenntnis ausbreitet, in komplexen Zusammenhängen denkt und dabei alle Fäden fest in der Hand hält, lässt keine Langeweile aufkommen.

Text: Enno Krüger
Foto: Renate Fischer

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