Stadtdetektive im Zukunftslabor MINT

Bei herrlichem Sommerwetter draußen kreatives Schaffen drinnen. Links Projektleiterin Nicole Marmé, daneben der stellvertretende Kinderbeauftragte für den Emmertsgrund; Ahmed Abdulla
Bei herrlichem Sommerwetter draußen kreatives Schaffen drinnen. Links Projektleiterin Nicole Marmé, daneben der stellvertretende Kinderbeauftragte für den Emmertsgrund; Ahmed Abdulla

Die Stadt, die Kinder bauen

Wie funktioniert eigentlich eine Stadt? Wie löscht die Feuerwehr Brände, warum Brot beim Bäcker so fluffig und wie haucht man Robotern Leben ein? Im kostenlosen Heidelberger Ferienprogramm „Zukunftslabor MINT – Stadtdetektive“ wurden Grundschulkinder in den Pfingstferien zu Stadtplanern, Forschern und Programmierern. Das Besondere: Sie bauten ihre eigene kleine Metropole aus Papier und steuerten Roboter per iPad durch die Straßen.

Zwischen bunten Papierbögen, Scheren, iPads und einer Menge Forschergeist herrschte in den Pfingstferien emsiges Treiben im Forum 5. Wer den Raum betritt, merkt sofort: Hier sind echte Profis am Werk. Zehn Dritt- und Viertklässler:innen haben sich in „Stadtdetektive“ verwandelt, um die naturwissenschaftlichen und technischen Geheimnisse ihrer Umwelt zu entschlüsseln. Unterstützt und wissenschaftlich begleitet wird das innovative Projekt von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und der Victor Stiftung. Dass die Veranstaltung ein so großer Erfolg ist, liegt vor allem auch an den engagierten Studierenden der PH Heidelberg: Gemeinsam mit Projektleiterin Frau Prof. Dr. Nicole Marmé sind sie voll bei der Sache, begleiten die Kinder mit viel Geduld und Begeisterung durch die Stationen und leisten eine großartige pädagogische Arbeit.

Ein Viertel aus Papier und moderner Technik

Das große Herzstück der Woche ist das Stadtbauprojekt. Schritt für Schritt errichten die zehn Kinder eine Miniaturstadt: Es wird fleißig angemalt, ausgeschnitten und zusammengeklebt. So entstehen Wohnhäuser, eine Feuerwache, eine Bäckerei, eine Kläranlage und Parkplätze.

Doch die Stadt bleibt nicht leblos: Mit iPads bewaffnet lernen die Kinder, clevere „Dash-Roboter“ selbst zu programmieren. Diese flitzen anschließend als autonome Fahrzeuge durch die selbstgebauten Straßen aus Papier und erwecken die Mini-Stadt zum Leben.

Von Feuerdreiecken und backender Chemie

Die Detektivarbeit führt die Kinder durch drei spannende Stationen, die sie in ihrem persönlichen „Mein Forscherheft“ per Checkliste im Auge behalten:

1. Die Feuerstation: Hier gehen die Kinder dem Verbrennungsgeheimnis auf den Grund. In Lückentexten lernen sie, wie Rauch, Sauerstoff, Hitze und Gase zusammenhängen und was das „Verbrennungsdreieck“ ist. Zudem wird der Ernstfall geprobt: Durch das Verbinden von Bildern mit Texten lernen sie lebenswichtige Regeln wie „Wir bewahren Ruhe!“ und „Wir schließen alle Fenster!“.

2. Die Bäckerei-Station: Die Küche wird zum Chemielabor. Ein Text erklärt die chemischen Geheimnisse des Backens. Auf einer Mitmach-Seite mit der Frage „Kannst du mir helfen?“ lösen die Kinder Rätsel und erfahren, warum frisch gebackenes Brot aus der Bäckerei so gesund ist. Die Bausteine unserer Nahrung werden spielerisch definiert: Proteine als Muskel-Baumeister, Kohlenhydrate als Energie-Kraftwerke und Vitamine als Schutzschilde für den Körper.

3. Die Kläranlagen-Station: Hier erforschen die Kids, wie schmutziges Abwasser in mehreren Stufen gereinigt wird, bevor es zurück in die Natur darf – ein wichtiger Kurs in Sachen Nachhaltigkeit.

Am Ende der Woche wartet die große Belohnung: Wer alle Stationen geschafft hat, darf sein hochoffizielles „Mein Forscherdiplom“ feierlich einkleben.

Ein Blick in die Runde: Wer baut hier eigentlich mit?

Wie wichtig das Projekt für den Stadtteil ist, zeigte auch der Besuch von Ahmed Abdulla, dem stellvertretenden Kinderbeauftragten für den Emmertsgrund. Er schaute persönlich vor Ort vorbei, um sich selbst ein Bild von der Kreativität und dem Eifer der jungen Stadtplaner zu machen.

Bei all der Begeisterung im Raum fällt beim genauen Hinsehen jedoch ein Detail auf, das zum Nachdenken anregt – gerade hier, mitten im bunten und multikulturellen Emmertsgrund: Unter den zehn teilnehmenden Kindern sucht man Gesichter mit Migrationshintergrund an diesem Tag vergeblich.

Warum ist das so? Warum erreicht ein so großartiges, kostenloses Angebot direkt vor der Haustür anscheinend nicht alle Familien im Viertel gleichermaßen?

Es ist eine Frage, die keine Kritik an den Veranstaltern sein soll, sondern vielmehr ein Auftrag an uns als Gemeinschaft. Es zeigt, dass wir in Zukunft vielleicht noch flachere Zugänge schaffen, Sprachbarrieren abbauen oder die Information noch direkter in die verschiedenen Communitys tragen müssen. Denn die Zukunft der MINT-Berufe braucht die Talente aller Kinder unseres Viertels.

Die vier Superkräfte für den Arbeitsmarkt der Zukunft

Hinter dem Ferienspaß steckt nämlich ein weitsichtiges pädagogisches Konzept. Auf die Frage, was die Kinder hier lernen und warum das so wichtig ist, erklärt Projektleiterin Frau Prof. Dr. Nicole Marmé von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg: „Es ist zur Zukunftsvorbereitung auf den Arbeitsmarkt.“

Das Programm fördert laut der Expertin gezielt die vier wichtigsten Zukunftskompetenzen:

Kreativität (Creativity): Beim Entwerfen und Basteln der Häuser.

Kritisches Denken (Critical Thinking): Beim Verstehen von Naturgesetzen und chemischen Prozessen.

Zusammenarbeit (Collaboration): Denn eine Stadt plant und baut man nur im Team.

Kommunikation (Communication): Beim gemeinsamen Programmieren und Lösen der Forscherfragen.

Das Zukunftslabor zeigt, wie moderne Bildung aussehen kann: absolut kostenlos, nah am Alltag der Kinder und wegweisend für die Zukunft. Wenn es nun noch gelingt, die Vielfalt des gesamten Stadtteils im Labor abzubilden, ist das Projekt unschlagbar.

Text: em-box

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