Über den Fluss

„Über den Fluss“
Die drei Künstler von links: Marek Walczak, Joscha Schaback, der liest, und Matthias Coenen an der Gitarre (Foto: J. Danziger)

Literatur im Boxberg: Eine Geschichte vom Tod und der Liebe – „Über den Fluss“ von Joscha Schaback

von Judith Danziger

Als Matthias Coenen dreimal hintereinander leise ein Glöckchen klingen ließ, war das Publikum im „Blickpunkt Boxberg“ längst tief in die Geschichte eingetaucht, die Joscha Schaback in seiner ganz eigenen Art bis hierhin vorangetrieben hatte. Großflächig wurden dabei die schwarzweißen Bleistiftzeichnungen von Marek Walczak an die Wand projiziert. Während das Glöckchen läutete, erschien passend dazu ein Grabstein an der Wand, der blütenumrankt den alten Zahnarzt Forate, Protagonist des Abends, Frieden finden ließ.

Eine Wendung in einer Geschichte, die surreal düster begonnen hatte und die an dieser Stelle das Publikum innerlich aufatmen ließ. Joscha Schaback las eine Strichfassung seiner im vergangenen Jahr erschienenen Novelle und nahm das Publikum wortwörtlich mit „über den Fluss“. Er ließ es die innere Trauer des Zahnarztes spüren, der seine Frau verloren hatte, und gleichzeitig die aufgeregte Hoffnung, die Forate bei der Bekanntschaft mit einer etwas sonderbaren, aber doch irgendwie vertrauten Patientin aufleben lässt.

Anderthalb Stunden ließen sich die drei Künstler anschließend Zeit, um den „Blickpunkt Boxberg“ mit Text, Bild und Ton intensiv zu bespielen. Ein immersives Erlebnis, das fesselte und das nach einer kurzen Pause – um Luft zu holen und etwas zu trinken – zu einem angeregten Gespräch mit den Künstlern führte. Über verschiedene Interpretationen zu einzelnen Handlungssituationen wurde dabei diskutiert und Ideen dazu angestellt.

Zum Ende des Gesprächs wurde vom Publikum auch gedeutet, dass „Über den Fluss“ vor allem eine Liebesgeschichte sei, über das Verarbeiten von eigener Trauer und das Erkennen der Trauer anderer. Das Künstler-Trio, das schon öfter zusammengearbeitet hat, schaffte es auch an diesem Abend, das Publikum tief zu berühren.

Die Veranstaltung lief in der Lesungs-Reihe von „literatur auf dem boxberg“ und war die fünfte und letzte Etappe der literarischen Rundreise im Jahr 2025. Im Februar 2026 geht es weiter. J.D.

 Zur Webseite von „literatur auf dem boxberg“

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