Catherine Koleda: „Stalin, der Weizen und ich – Eine ukrainische Kindheit“
In ihrem Buch „Stalin, der Weizen und ich – Eine ukrainische Kindheit“ (original: „Quand Staline nous affamait – Récit d’un survivant ukrainien“) erzählt die Autorin Catherine Koleda die Geschichte ihres Vaters, den sie dafür vor seinem Tod interviewte.
Es ist ein unglaubliches, oft erschütterndes und dann wieder fast märchenhaft anmutendes Abenteuer einer langen Flucht aus der Ukraine nach Frankreich, das sie zu Papier gebracht hat. Das Buch erschien 2015 in Frankreich bei Éditions Jourdan. 2022 ist die Ukraine aus traurigem Anlass ins Interesse der Weltöffentlichkeit gerückt – die Geschichte scheint sich zu wiederholen.
Nun auch als deutsche Übersetzung
Anlässlich der deutschen Übersetzung haben Catherine Koleda und ihre Übersetzerin Anne Thomas am 11. Oktober im HeidelBERG-Café eine Lesung geben. Die beiden wiesen auf einen bemerkenswerten Umstand hin: Catherine Koleda lebt in Deutschland, schreibt auf Französisch und übersetzt vom Deutschen ins Französisch, während Anne Thomas in Frankreich lebt, auf Deutsch schreibt und vom Französischen ins Deutsche übersetzt.
Zeuge und Überlebender des Holodomor
Der Vater der Autorin, Nikolai war 3 Jahre alt, als er 1933 die von Stalin ausgelöste Hungersnot bewusst zu erleben begann. Der in der Ukraine auch als „Holodomor“ bezeichnete Völkermord kostete nach Schätzungen 2,4 bis 7,5 Millionen.
Die Autorin hatte ihren Vater für ein paar Wochen einige Jahren vor seinem Tod interviewt und mit einem Diktiergerät aufgezeichnet. Nach seinem Tod entschloss sie sich basierend auf den Tonbandaufzeichnungen das Buch zu verfassen. Das Buch schildert die Erlebnisse ihres Vaters und seiner Familie, die auf der Flucht von Stalins Helfern zweimal nach Belarus und einmal in den Kaukasus flüchteten. Mit dem Einmarsch der Deutschen in die Ukraine und in den Kaukasus endete die Odyssee der Familie, die auch in der Ukraine viele Stationen hatte, als Zwangsarbeiter bei Trier.
Überleben, mit Ideen, Humor und Glück
Die Autorin betont, dass ihr Vater und seine Familie trotz der teilweisen grausamen Umstände nie ihre Tatkraft und ihren Überlebenswillen verloren. Die Familie kam bei Trier bei einer Bauersfamilie unter und wurde dort gut aufgenommen. Der Altbauer rettete ihren Großvater vor Schanzarbeiten an der Front und empfing den glücklichen Großvater mit den Worten: „Nachdem du solange nicht im Krieg für die Sowjetunion warst, brauchst du jetzt nicht für die Deutschen in den Krieg gehen!“
Die Familie und der Vater der Autorin waren der Bauersfamilie und deren Freundlichkeit ewig dankbar. Der Vater betonte, dass er überall trotz Grausamkeit und Not immer wieder auf Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft gestoßen sei.
Eine tröstliche Botschaft
Der Autorin war es wichtig hervorzuheben, dass das Buch aufgrund des Überlebenswitzes ihres Vaters und seiner Familie viele heitere Seiten habe.
Trotz der aktuellen Ereignisse in der Ukraine wollte sie nicht pessimistisch enden Sie fasste das Thema ihres Buches mit einem Satz ihres Großvaters zusammen, der ihr von ihrem Vater überliefert wurde:
„Gibt es etwas Tröstlicheres, als zu wissen, dass die eigene Familie sich unter einem barbarischen Regime ihre Menschlichkeit bewahrt hat!“
Text: Ansgar Hofmann
Fotos: Dmytro Sakhno





