Zwei Biertischgarnituren hatte das bürgerbetriebene HeidelBerg-Café auf Anregung seines Chefs Christoph Ecken in der Emmertsgrundpassage aufstellen lassen. Diesmal vor dem Internationalen Nachbarschaftstreff, einem Ableger des Cafés im Bürgerhaus. Der Anlass: Zwei Redakteure der Rhein-Neckar-Zeitung, Holger Buchwald und Jonas Labrenz, waren auf den Berg gekommen, um die Emmertsgrunder im Rahmen der Aktion „RNZ vor Ort“ nach ihrem Lebensgefühl zu befragen.
Wie sich gleich zu Beginn herausstellte, gibt es sie jedoch gar nicht: die Emmertsgrunder. Denn ihr Wohnort besteht aus zahlreichen „Inseln“, wie die frühere Stadtteilvereinsvorsitzende Sigrid Kirsch die Quartiere mit den jeweils unterschiedlichsten Bewohnern nannte. Überhaupt waren an den beiden Tischen überwiegend Ehrenamtliche vertreten, darunter die früheren Vorsitzenden des Stadtteilvereins, Roger Schladitz, Hans Hippelein und Fritz Zernick , sowie der derzeitige Vorsitzende Peter Libner. Auch der gebürtige Emmertsgrunder Michael Steinke, Vorsitzender des Jugendgemeinderates brachte sich ein. Aus dem Passage-Quartier stellte sich Serkan Gelgec als „Bürgermeister des Emmertsgrunds“ vor. Er kümmere sich als „Macher“ um die Jugendlichen, die auf der Straße herumhingen.
Hauptthema: Der Inselcharakter der verschiedenen Quartiere
Die Gespräche offenbarten all die Spannungen, die aus dem Inselcharakter des Stadtteils entstehen: Hier die kulturell diversen Menschen aus den Hochhäusern, häufig in prekären Verhältnissen lebend – dort die Hauseigentümer aus dem Speckgürtel des Stadtteils. Hier diejenigen ohne Perspektive, die sich entsprechend wenig um ihre Umgebung kümmern – dort diejenigen, die den Kontakt suchen und auf Desinteresse stoßen. Hier keinerlei soziale Kontrolle – dort das Bedürfnis nach Anstand, Sauberkeit und Ordnung. Die Themen und Probleme sind im Stadtteil bekannt. An Lösungen arbeiten Bewohner mit Unterstützung von Stadt und Initiativen seit Jahrzehnten.
Der RNZ-Artikel mit ausführlicher Berichterstattung erschien auf Seite 6 in der Wochenendausgabe am 12./13. September mit der Schlagzeile „Ein Stadtteil mit gewissen Vorzügen“. Der Untertitel fasst zusammen: „Emmertsgrunder fühlen sich wohl – Mehr Arbeitsplätze und Vereine, ein Restaurant und besserer Nahverkehr auf der Wunschliste – Viel Grün, nette Nachbarn“.
Text: Karin Weinmann-Abel
Foto: Dmytro Sakhno




