Brasilianische Klänge auf dem Berg

Aufgrund des Wetters musste das Konzert von "Brasil Sessions" ins Medienzentrum und HeidelBERG-Café umziehen.
Aufgrund des Wetters musste das Konzert von "Brasil Sessions" ins Medienzentrum und HeidelBERG-Café umziehen.

Rodrigo y Luis bringen mit „Brasil Sessions“ das Publikum beim Emmertsgrunder Kultursommer zum Tanzen

Es muss nicht immer das „Girl from Ipanema“ sein: In ihrem Programm „Brasil Sessions“ kommen die beiden Musiker Rodrigo de Lima Gonçalves aus Brasilien und Luis Trunk de Flores aus Peru auch ohne den weltberühmten Bossa Nova-Klassiker von Tom Jobim aus – und vermögen bei ihrem Auftritt beim Emmertsgrunder Kultursommer das zahlreich erschienene Publikum mühelos in ihren Bann zu ziehen. Etwa 70 Liebhaber brasilianischer Musik waren trotz „pünktlich“ vor Veranstaltungsbeginn einsetzenden strömenden Regens in das Heidelberg-Café gekommen, das die Open-Air-Bühne vorm Bürgerhaus ersetzen musste. Der Stimmung tat das keinen Abbruch – im Gegenteil.

Als Duo feierten der aus dem brasilianischen Bundesstaat Goiás stammende Rodrigo de Lima Gonçalves und der in Heidelberg aufgewachsene, aber durch seine Familie in Peru verwurzelte Luis Trunk de Flores im Emmertsgrund ihre Premiere. Zwei Vollblutmusiker haben sich gesucht und gefunden: Rodrigo (Gitarre und Gesang) und Luis (Percussion), der schon bei der kubanischen Musiksession des Kultursommers mitwirkte, harmonieren bestens miteinander. Sie wirken wie schon seit langem eingespielt und geben sich gegenseitig die musikalischen Räume, die der andere braucht.

Die Musik wurde ihnen schon in die Wiege gelegt

Beiden wurde die Musik gewissermaßen schon in die Wiege gelegt: Während der Brasilianer über Klavier und Orgel zur Gitarre kam und heute auch Frontsänger in einer Bigband in der Gegend von Schwäbisch-Hall ist, wo er seit 14 Jahren lebt, trommelte Luis schon früh in der Musikgruppe seines Vaters mit und lernte später bei einem Freund in Kuba das Handwerk der Multipercussion von der Pike auf.

Ein Querschnitt verschiedener brasilianischer Musikstile

Ihr Programm „Brasil Sessions“ bietet einen lebendig performten Querschnitt verschiedener brasilianischer Musikstile, vom Samba über den Bossa Nova bis zum Forró und Reggae. „Die besten Komponisten kommen aus dem Nordosten“, meint der mit kraftvoller Stimme interpretierende Rodrigo, als er das Lied „Anunciação“ (Verkündigung) von Alceu Valença anstimmt, der aus Pernambuco stammt. Es geht um „saudade“, um Sehnsucht und Hoffnung, um die Erwartung eines geliebten Menschen. Ebenfalls aus dem Nordosten Brasiliens kommt das von Luiz Gonzaga geschriebene Lied „Asa Branca“ (Weißer Flügel), die berühmte Hymne des Forró, die von den für Mensch und Tier extremen Lebensbedingungen der Region erzählt.

Bekannter für die meisten Zuhörer dürfte der Hit „Ai Se Eu Te Pego“ (etwa: Wenn ich dich kriege!) von Michel Teló aus dem Jahr 2011 gewesen sein, der es auch bei uns in die Charts geschafft hat. Durch den mitreißenden Rhythmus natürlich etwas zum Mitsingen und -tanzen: Eine vergnügt wirkende Dame mit Strohhut und geblümten Hosen macht den Anfang, und schon bald trauen sich immer mehr Menschen aus dem Publikum, Jung und Alt, auf die schmale „Tanzfläche“ zwischen den Musikern und der ersten Sitzreihe. Vor allem bei heißen Samba-Rhythmen wie „Mas, que Nada!“ (Was soll’s) von Jorge Ben tanzt gefühlt das halbe Heidelberg-Café mit – der von Rodrigo und Luis kreierte Funke ist längst übergesprungen.

Auch ein deutscher Popsong fand Eingang in die Set-List

Auch ein deutscher Popsong, Tim Bendzkos „Nur noch kurz die Welt retten“, wird zwischendurch präsentiert – Rodrigo findet nach eigenen Worten die deutsche Sprache „so wahnsinnig schön“ -, während das Stück „Jack Soul Brasileiro“ des Sängers Lenine (der natürlich aus dem Nordosten stammt, woher sonst…) den rasanten Schlusspunkt setzt. Mit seinen diversen Percussioninstrumenten, darunter Congas, Bongos, Cajón, Kuhglocke und Chimes, läuft Luis zu beeindruckender Form auf. Eduardo Pereira, der mit seinem Zwillingsbruder Guilherme das Konzert besucht hat, zeigt sich von dem Abend begeistert. „Das war noch besser, als ich es mir vorgestellt habe“, meint er. „Sehr authentisch“, pflichtet ihm Guilherme bei. Die beiden Brasilianer haben früher mal drei Jahre auf dem Emmertsgrund gelebt und finden: „Das war ein schönes Wiedersehen.“

Text: Arndt Krödel
Aus: Rhein-Neckar-Zeitung vom 19.8.26
Fotos: Dmytro Sakhno

Die Musik von "Brasil Sessions" animierte zum Mittanzen.
Die Musik von „Brasil Sessions“ animierte zum Mittanzen.

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