Em-Box-Redaktionsleitung geht in den Ruhestand

Auf dem Loriot-Sofa die Eheleute und Macher der Em-Box
Auf dem Loriot-Sofa die Eheleute und Macher der Em-Box – eine humorige Illustration zur 100. Ausgabe 2021, wie scheinbare Harmonie die Holprigkeit beim Werdegang des Blattes kaschiert. Nachzulesen in einem Interview unter „Archiv“ auf der Website https://em-box-info.de/archiv/: JG. 2021, Seite 19. Unter derselben Adresse finden sich alle Em-Box-Ausgaben ab der Nummer 1. (Foto: Em-Box-Archiv)

Em-Box-Redaktionsleitung geht in den Ruhestand / Von Karin Weinmann-Abel und Hans Hippelein

Nun ist es also soweit: Wir hören auf mit der Em-Box.

Wir, das sind die Hauptmacher des Blattes für die Stadtteile Emmertsgrund und Boxberg: Karin Weinmann-Abel als Redaktionsleiterin und Hans Hippelein als Layouter.

Vor 30 Jahren erschien die erste „Em-Box-Info“. Initiiert wurde sie von der Stadt Heidelberg mit Beate Weber als Oberbürgermeisterin und Rudi Lerche als ihr Stadtverwaltungsdirektor. Da war der Emmertsgrund gerade mal 23 Jahre alt.

Treibende Kräfte waren die Vorstandsmitglieder des 1993 gegründeten Kulturkreises Emmertsgrund, unter ihnen der 2020 verstorbene Klaus Runge, Politik- Redakteur bei der Rhein-Neckar-Zeitung. Er lehrte Interessierte aus den Stadtteilvereinen Emmertsgrund und Boxberg das Zeitungmachen.

Zwei Themen durch fast alle Hefte

Zwei Themen ziehen sich durch fast alle Hefte hindurch bis zur jetzigen Ausgabe: Vermüllung und Nahversorgung. Unspektakulär und doch äußerst prekär. Die Themen, die die Leser:innenschaft der Bergstadtteile am meisten bewegten und noch bewegen. Damit einhergehend immer wieder das Gefühl, von der Stadt Heidelberg abgehängt zu sein. Das betraf auch die Flüchtlingsbewegung, Religion, Bildung, Umwelt und das gesamte komplexe Sozialgefüge in den Bergstadtteilen. Die Em-Box-Redaktion musste nur hinhören, was aus deren Mitte kam. Urheber solcher Themen waren die „Freien“ unter denen, die der Zeitung zuarbeiteten. Ohne sie wäre die ehrenamtliche Redaktion, die sich zum Teil aus noch Berufstätigen zusammensetzte, zum Scheitern verurteilt gewesen.

Ein fester Stamm von Redaktionsmitarbeitern

Daneben gab und gibt es die „Festen“. Das sind die, die sich regelmäßig zu Redaktionssitzungen einfinden, um Ordnung ins Chaos zu bringen. Da stechen vor allem diejenigen hervor, die jahrelang mitarbeiteten, die am Ball blieben, auch wenn es chaotisch wurde. Dazu gehörten neben den oben Genannten vor allem Marion Klein (s. Nachruf auf Seite 13) und Susanne Eckl-Gruß vom Emmertsgrund sowie Inka Nüßgen, leider ebenfalls schon verstorben, und Hans-Werner Franz, beide vom Boxberg.

Die Finanzierung war immer eine Herausforderung

Chaotisch wurde es oft dann, wenn es ums Geld ging. Denn nach dem städtischen Anschub musste sich die Em-Box finanziell selbst tragen. Das funktioniert bis jetzt über Anzeigen. Chaos manchmal auch, wenn es um Themendiskussionen ging. Bei bis zu zehn freiwilligen unbezahlten Redaktionsmitgliedern nicht immer einfach, zu einem Konsens zu gelangen, ohne dass sich der eine/die andere wieder aus der Redaktion verabschiedete. Es war ja nicht so, dass alle, einschließlich Leserinnen und Leser, immer und überall „Hurra!“ geschrien hätten zur liberalen Linie des Blattes. Trotzdem blieb man in der Regel der Linie treu, auch Andersmeinenden mit Toleranz und Respekt zu begegnen.

Tragende Säulen des Blattes

Denn die tragenden Säulen des Blattes sind die Slogans, die sich der Kulturkreis Emmertsgrund, ab 1996 Kulturkreis Emmertsgrund-Boxberg, bei seiner Gründung gegeben hatte: Die Menschen sollten sich mit ihrem Stadtteil identifizieren können (Identifikation). Verschiedene Kulturen und soziale Schichten sollten nicht auseinanderdriften, sondern ihr Gemeinsames suchen (Integration). Und es sollte gelingen, sich über anstehende Themen auszutauschen (Kommunikation). Kein leichtes Unterfangen bei der Bevölkerungsvielfalt auf dem Berg. Die Welt im Kleinen abzubilden, da war die Em-Box manchmal mehr erfolgreich, manchmal weniger.

Wenn die Stadtteilzeitung nun in jüngere Hände übergeht, wird sie ihrer Linie wohl treu bleiben. Dafür bürgen der Redaktionsleiter der Online-Ausgabe, Ansgar Hofmann, Vorsitzender des Kulturkreises Emmertsgrund-Boxberg, sowie die künftige Leiterin des gedruckten Blattes, Stella Unger.

Herausforderungen für das neue Redaktionsteam

Jedoch werden neue Herausforderungen auf sie zukommen: Wie geht der Journalismus mit dem Phänomen KI um? Redaktionsmitglied und Journalist Arndt Krödel sprach bereits 2012 in einer Veröffentlichung für die Nürnberger Nachrichten die Gefahren von Menschen ersetzenden Systemen an. Wenn Textmaschinen Artikel erstellen oder Fotos KI-generiert sind, muss der Journalist umso wachsamer sein. Das gilt auch für Zeitungen auf lokaler Ebene.

Wie es mit der Em-Box weitergeht, liegt sowohl bei der Stadt als auch den Menschen in den Bergstadtteilen. Ziehen alle weiterhin an einem Strang, können wir, inzwischen beide (über) 80, uns mit dieser Ausgabe mehr oder weniger bequem zurücklehnen.

Was der Humorist Loriot alias Vicco von Bülow wohl dazu sagen würde? Vielleicht diese seiner Erkenntnisse: „Frauen und Männer passen einfach nicht zusammen“, und: Der Ruhestand ist zum Üben da („Pappa ante portas“).

Redaktionssitzung 1997
Redaktionssitzung 1997 mit (v.l.) Klaus Runge, der Ernst Schwemmer (Stadtteilverein Boxberg), Uwe Bölke, Karin Weinmann-Abel und Hans Hippelein das damals noch handgemachte Layouten erklärt.
(Archivfoto)

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