Der südlichste Heidelberger Stadtteil aus der Perspektive der Sozialbürgermeisterin
Einem möglichen Missverständnis beugte Uwe Hinze, Direktor des Augustinums, gleich vor: „Dies hier soll keine Bürgersprechstunde werden.“ Zum 50-jährigen Jubiläum der Seniorenresidenz hatte er nämlich Bürgermeisterin Stefanie Jansen in den wenige Jahre älteren Emmertsgrund eingeladen. Ihre Perspektive auf den Stadtteil war gefragt, also die Perspektive des städtischen Dezernats auf den Stadtteil im äußersten Süden. Zuständig für Soziales, Bildung, Familie und Chancengleichheit äußerte sich die Bürgermeisterin positiv über die seither dort geleistete Arbeit: „Wir machen hier oben schon sehr viel.“
Der Emmertsgrund unterschied sich schon immer von den anderen Stadtteilen
Mit 6.754 Einwohnenden ist der Emmertsgrund im Vergleich mit den anderen Stadtteilen eher klein. Jedoch haben rund 70% der hier lebenden Menschen einen Migrationshintergrund. Polen, sogenannte Russlanddeutsche und Türken bilden die größten Gruppen. Auch die Erwerbslosigkeit ist höher als anderswo in der Stadt. Ebenso die Anzahl der Alleinerziehenden. Nicht zu vergessen: Einer der jüngsten kinderreichsten Stadtteile entwickelt sich gerade zu einem (bergwärts gelegenen!) Stadtteil mit immer mehr alten Menschen.
All diesen Herausforderungen setzte und setzt die Stadt einiges entgegen, wie die Daten der Präsentation belegten: beispielsweise ausreichend Kindertagesstätten, Jugendeinrichtungen, Ganztagsschule mit Sozialarbeit und Sprachförderkursen, Kinderbaustelle, BIWAQ (Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier) oder ein Seniorenzentrum. Derzeit fördert die Stadt mit dem Projekt „Gemeinsam für den Emmertsgrund“ Begegnungen zwischen den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen.
Neue gesellschaftliche Voraussetzungen schaffen neue Herausforderungen
Die neuen gesellschaftlichen Voraussetzungen mit deutlichen Kostensteigerungen in den letzten Jahren für Bund, Land und Kommune stellten nun jedoch auch die Stadt Heidelberg vor neue Herausforderungen, so die Bürgermeisterin. Im Zuge von Sparmaßnahmen müsse sie noch stärker unterscheiden zwischen den verpflichtenden Aufgaben nach Gesetz und den freiwilligen, für die der Gemeinderat zuständig ist. Auch deshalb sei die Bedeutung des Ehrenamtes und der Spendenbereitschaft wie etwa für die „Lernpatenschaften“ des Jugendzentrums nicht zu unterschätzen. Würden die Grundbedürfnisse der Bürger nicht erfüllt, gehe das Vertrauen in die Demokratie verloren, warnte Stefanie Jansen und lud die Zuhörenden ein, bei Bedarf für ein persönliches Gespräch in ihr Amt zu kommen.
Vereinzelt ließen Zuhörende nach dem Vortrag durchblicken, dass sie mehr Perspektive auf konkrete künftige Entwicklungen im Emmertsgrund erwartete hatten.
Text: Karin Weinmann-Abel
Foto: zg




