Gute Nachbarschaft – mit einem Augenzwinkern ernst genommen
Macht es Sinn, die Stadtteilarbeit auf das Ziel „Gute Nachbarschaft“ auszurichten? Und wenn ja – sollte man es? Mit dieser Frage nahm Dr. Peter Hammacher, Vorstandsmitglied des Stadtteivereins Heidelberg-Emmertsgrund, beim Jahresempfang des Stadtteilvereins sein Publikum mit auf eine ebenso kluge wie unterhaltsame Reise durch ein Thema, das uns alle betrifft – oft näher, als uns lieb ist.
Schon der Einstieg zeigte: Dieser Vortrag wird kein trockener Fachvortrag. Mit einem augenzwinkernden Schiller-Zitat („Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben…“) und seiner charmanten Abwandlung hatte Hammacher die Lacher direkt auf seiner Seite – und gleichzeitig das Spannungsfeld eröffnet, in dem sich Nachbarschaft bewegt: zwischen Nähe und Konflikt.
Dabei machte er schnell klar, warum „Nachbarschaft“ ein besseres Leitmotiv für Stadtteilarbeit sein könnte als der oft bemühte Begriff „Heimat“. Während Heimat für jeden etwas anderes bedeutet – von Kindheitserinnerungen bis hin zum WLAN-Passwort – ist Nachbarschaft greifbarer, konkreter und weniger emotional aufgeladen.
Doch was ist eigentlich ein Nachbar? Die Antwort: erstaunlich vielschichtig. Vom direkten Gegenüber hinter der Wand bis hin zur „Nachbar-Galaxie“ – der Begriff kennt viele Dimensionen. Im Alltag jedoch reicht oft schon der berühmte Gartenzaun, der trennt und gleichzeitig verbindet.
Besonders eindrücklich wurde es, als Hammacher aus seiner Rechtsanwaltspraxis berichtete: Nachbarschaftsstreitigkeiten bewegen sich emotional auf einer Ebene mit Trennungen oder Erbstreitigkeiten. Kein Wunder also, dass ein freundliches Lächeln über den Zaun manchmal mehr wert ist als jede rechtliche Regelung.
Und genau hier liegt der Kern seiner Botschaft: Gute Nachbarschaft lässt sich nicht verordnen – sie entsteht durch Haltung. Höflichkeit, Toleranz, Gelassenheit und Hilfsbereitschaft sind keine großen politischen Programme, sondern kleine alltägliche Entscheidungen.
Sein Fazit: „Gute Nachbarschaft“ ist kein Allheilmittel, aber ein erstaunlich wirksamer Ansatz. Verständlich für alle, niedrigschwellig und mit echtem Potenzial, Menschen im Stadtteil näher zusammenzubringen.
Oder, wie er zum Abschluss mit einem chinesischen Sprichwort sagte: Ein naher Nachbar ist manchmal einfach wertvoller als ein entfernter Verwandter.
Und vielleicht beginnt alles genau dort – beim nächsten freundlichen „Guten Tag“ im Treppenhaus.
Den ganzen Vortrag zum Nachlesen finden Sie hier
Stella Unger




