Der Kinosaal des Augustinum war gut gefüllt am Freitagnachmittag, dem 6. März – zwei Tage vor dem Weltfrauentag. Gespannt erwarteten die Gäste den Dokumentarfilm „Petra Kelly – Act Now!“, der im September 2024 erstmals in die Kinos kam.
Max Hilker, Kulturbeauftragter des Augustinum, eröffnete die Veranstaltung mit bewegenden Worten: Er las einen der zahlreichen Drohbriefe vor, die an Petra Kelly gerichtet waren – und die auch im Film zu sehen sind. Ein eindringlicher Einstieg, der zeigte: Hetze gegen politisch engagierte Menschen ist kein neues Phänomen. Schon in den 1970er- und 80er-Jahren gehörte dies zum Alltag einer Frau, die sich kompromisslos für Frieden, Umwelt und Menschenrechte einsetzte.

Das Friedenszeichen jener Generation hatte Petra Kelly als Teil ihrer Unterschrift unter eine ihrer Petitionen gesetzt. (Filmszene aus „Petra Kelly – Act now!“ (c) Real Fiction Filmverleih e.K.)
Eine politische Persönlichkeit wird lebendig
Der Dokumentarfilm von Doris Metz zeichnet anhand historischer Aufnahmen und Gespräche mit Weggefährten das Leben dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit nach. Viele kennen Petra Kelly aus der Geschichte der Grünen – hier wird sie als Mensch sichtbar: leidenschaftlich, idealistisch und getragen von dem Gefühl, dass die Zeit drängt.
Aktivismus mit internationaler Wirkung
Ihre politischen Erfahrungen sammelte Kelly in den USA, geprägt von Bürgerrechtsbewegung und Kennedy-Ära. Der Gedanke des gewaltfreien Widerstands blieb ein zentrales Element ihres politischen Handelns.
In den 1980er-Jahren wurde sie zu einer der bekanntesten Stimmen der europäischen Friedensbewegung. Als Mitbegründerin der Grünen verband sie Themen, die damals selten gemeinsam gedacht wurden: Umweltpolitik, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, Frieden – und Frauenrechte.
Der Film berichtet auch von Freundschaften etwa mit dem Dalai Lama, Joan Baez oder dem Künstler Joseph Beuys. Selbst Vertreter der Lakota berichten von Begegnungen mit ihr und sprechen von einer Verbindung „auf Seelenebene“.
Eine Botschaft, die bis heute wirkt
„Act Now!“ zeigt eine Frau mit großer Energie, Charisma und Mut – aber auch die Schattenseiten: Anfeindungen, sogar Morddrohungen, gehörten zu ihrem Alltag. Zugleich wird deutlich, dass viele ihrer Warnungen zum Schutz der Umwelt bereits vor mehr als fünfzig Jahren formuliert wurden.
Am Ende steht das tragische Kapitel ihres Lebens: 1992 wurden Petra Kelly und ihr Lebensgefährte Gert Bastian tot in ihrer Bonner Wohnung gefunden. Die Umstände sind bis heute nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass Bastian zuerst Kelly und dann sich selbst erschoss.
Was bleibt, ist Petra Kellys Botschaft: Wie wir mit unserem Planeten umgehen, hängt eng damit zusammen, wie wir miteinander umgehen – und auch damit, wie Gesellschaften mit Frauen umgehen. Gerade heute wirkt diese Botschaft besonders aktuell. Vielleicht erinnert uns dieser Film daran, dass Veränderungen immer mit Menschen beginnen, die den Mut haben, ihre Stimme zu erheben – und mit Menschen, die ihnen zuhören.
Kinofreitag im Augustinum: Das Cinema Augustinum Heidelberg zeigt fast immer freitags um 16 Uhr ausgesuchte Filme. Passend zum Kulturjahresmotto VIELSTIMMIG stehen 2026 unter anderem einige biografische bzw. Dokumentarfilme auf dem Spielplan – so zum Beispiel Die Möllner Briefe am 27. März (anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus) und am 22. Mai Jetzt. Wohin. Meine Reise mit Robert Habeck.
Text: Inga Seischab
Bildverweis: Real Fiction Filmverleih e.K.



