Frauen in Politik und Wirtschaft unterrepräsentiert

Petra Kelly, Gründungsmitglied der „Grünen“ bei einem ihrer Auftritte im Deutschen Bundestag, Foto aus dem Film „Die Unbeugsamen“, Copyright Majestic
Petra Kelly, Gründungsmitglied der „Grünen“ bei einem ihrer Auftritte im Deutschen Bundestag, Foto aus dem Film „Die Unbeugsamen“, Copyright Majestic

Frauen in Politik und Wirtschaft unterrepräsentiert – Auch eine ehemalige Emmertsgrunderin hält dagegen

In diesem Jahr finden die Wahlen für den Baden-Württembergischen Landtag am 8. März, dem Weltfrauentag, statt. Eine gute Gelegenheit, sich vorher die Dokumentarfilme „Die Unbeugsamen“ in der 3sat-Mediathek oder „Petra Kelly“ in der ARD Mediathek anzusehen. Das tragische Schicksal der jungen Politikerin Petra Kelly wird auch auf Großleinwand am 6. März um 16:00 Uhr im Cinema Augustinum im Emmertsgrund, Jaspersstraße 2 gezeigt. Die traurige Bilanz: Nach einem halben Jahrhundert Frauenbewegung hat sich für Frauen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch im ganz normalen Berufs-, Alltags- und Eheleben nicht allzu viel zum Positiven verändert. Im Gegenteil, nicht nur aus den USA unter Trump kommen die „tradwives“ wieder in Mode, Ehefrauen in ihren lang überholt geglaubten traditionellen Rollen. Wie in „Die Unbeugsamen“ gezeigt, wurden die Lebensfragen von Frauen in einem Werbespot zu Beginn des deutschen Fernsehens so definiert: „Was soll ich kochen?“ „Was soll ich anziehen?“

Es war keine Geringere als die vor kurzem verstorbene, mit zahlreichen Ehrungen bedachte CDU-Politikerin Rita Süßmuth, die vor etwa fünf Jahrzehnten im Bonner Bundestag den Antrag zu einer Überarbeitung der Sprache in Gesetzestexten stellte. Ihr kam es geradezu absurd vor, dass darin Formulierungen standen wie „der Arzt in der Schwangerschaft“, wo hier doch eindeutig nur eine Frau gemeint sein konnte. Warum nicht also die „Ärztin in der Schwangerschaft“?

Will man Rita Süßmuth Wokeness unterstellen? Gewiss doch! Bedeutet „woke“ letztlich nichts anderes als „aufgewacht“ oder „wachsam“. Man könnte auch „achtsam“ dazu sagen. Und ja, es gibt auch noch heutzutage nichts Wichtigeres, als Frauen überall, auch in der Sprache, sichtbar zu machen. Insofern ist das Gendern ein Politikum. Es müsste durchaus ein Interesse daran bestehen, die Sprache den gesellschaftlichen Veränderungen so anzupassen, dass sie trotz Gendern noch sprech- und lesbar ist.

Als zweite Ministerin in den Reihen des in den 1980er Jahren vorwiegend männlich geprägten Parlaments gehörte Rita Süßmuth zu den unbeugsamen Politikerinnen wie etwa Renate Schmidt (SPD), Petra Kelly (Grüne) oder Hildegard Hamm-Brücher (FDP). Sie mussten sich ihre Positionen gegen machterfahrene und machtgewohnte Männer regelrecht erkämpfen. Männer, die in feixendes Gelächter ausbrachen, als die Bundestagsabgeordnete Waltraud Schoppe im Parlament von Vergewaltigung in der Ehe und vom „alltäglichen Sexismus“ ihrer männlichen Kollegen sprach. Macht wurde als unweiblich angesehen, so Renate Schmidt. Politik war zu jener Zeit ein absolut männerdominiertes Machtgebiet. In dieses drangen nun auch Frauen vor. Eine Bedrohung für das männliche Geschlecht! Frauen maßten sich an, ebenfalls Einfluss zu erlangen, um Dinge, die sie für richtig hielten, durchsetzen zu können.

Macht – und die Frage, warum sie beispielsweise in der Wirtschaft auch heute noch oft männlich gedacht wird, beschäftigt beruflich auch Christina Sontheim-Leven. Aufgewachsen im Emmertsgrund ist sie heute Co-Autorin des in den Medien stark beworbenen Buches mit dem Titel „Machtgebiete – Was Managerinnen erleben und wie sie gegenhalten.“ Hinter verschlossenen Türen erzählten Managerinnen von Erfahrungen, die nicht zu den Hochglanzleitbildern ihrer Unternehmen passten. Im Buch kommt Sontheim-Levens Herzensmission zum Ausdruck: Weibliche Talente in ihrer Vielfalt zu stärken und Organisationen dabei zu unterstützen, inklusive Führungskulturen nachhaltig zu gestalten.

Über das private und berufliche Leben von Christina Sontheim-Leven wird die Mitte April erscheinende Em-Box ausführlich berichten.

Text: Weinmann-Abel

Die Autorinnen des neu erschienenen Buches mit der ehemaligen Emmertsgrunderin Christina Sontheim-Leven (links). Es wurde ein „Bestseller Management Buch“ und stand auf der Empfehlungsliste des Manager Magazins bei der Frankfurter Buchmesse. Insgesamt fand es im Pressespiegel ein weit verbreitetes Echo. Foto: Patrycia Lukas
Die Autorinnen des neu erschienenen Buches mit der ehemaligen Emmertsgrunderin Christina Sontheim-Leven (links). Es wurde ein „Bestseller Management Buch“ und stand auf der Empfehlungsliste des Manager Magazins bei der Frankfurter Buchmesse. Insgesamt fand es im Pressespiegel ein weit verbreitetes Echo. Foto: Patrycia Lukas

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